Das Sommer-Lese-Festival 2018


„Die größten Ereignisse — das sind nicht unsre lautesten, sondern unsre stillsten Stunden.“

Friedrich Nietzsche

 

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Den Eingang einer großen Bibliothek im alten Ägypten schmückte der Schriftzug: „Klinik der Seele“. Welch wunderbare Vorstellung, dass in Bibliotheken „Seelen“ geheilt werden können, indem man ihnen Bücher als Medizin verabreicht. Was im alten Ägypten mehr Wunsch als Wissen war, ist im 21. Jahrhundert durch medizinische Studien längst bewiesen worden: dass lesende Menschen weniger zu Depressionen, weniger auch zu Alzheimer oder Demenz neigen, dass eifrige Leser Aussicht auf ein längeres und intensiveres Leben haben.

Und doch beklagen in jüngster Zeit Verleger, Buchhändler und Feuilletonisten, dass das Lesen immer mehr aus der Mode kommt – allzu groß ist die Ablenkung durch Smartphone, Tablet & Co. In amerikanischen Schulen werden mittlerweile „deep-reading“-Kurse angeboten, damit Schüler das konzentrierte Lesen eines längeren Textes wieder lernen. In „slow-reading-Cafés“ und bei „silent-reading-Parties“ treffen sich überall auf der Welt Menschen, um sich in gemeinsamer Stille und ohne Handy-Störung einmal wieder eine Stunde oder länger der Lektüre eines Buches zu widmen.

Um dem Lesen auch künftig einen angemessenen Stellenwert im gesellschaftlichen Kontext zu sichern, müsse öffentlich viel mehr über Bücher geredet werden, hat die Verlegerin Felicitas von Lovenberg vor kurzem gefordert. Ob im Familien- oder Freundeskreis, beim Gruppentreffen oder in der Kollegenrunde: Weshalb immer nur über gutes Essen oder schlechtes Fernsehen reden, wenn der gerade gelesene Roman ein viel spannenderes Thema bietet?

Über Literatur ins Gespräch zu kommen, das ist seit 2008 das Erfolgsrezept von „Korschenbroich liest“. Gleich eine der ersten Veranstaltungen, bei der geladene Gäste ihr liebstes Kinderbuch vorstellten, erwies sich als „Sternstunde“ eindringlichen Erzählens über Literatur und wie sie uns und unser Leben prägt. Viele weitere „Sternstunden“ hat es seitdem gegeben, mit Autorinnen und Autoren, Schauspielerinnen und Schauspielern, Sprecherinnen und Sprechern, die in vielfältigen ‚Verpackungen‘ dem eigentlichen Protagonisten – der Literatur - eine Bühne bereiteten. Auf vielerlei Art demonstrierten sie, wozu ein Gedicht, ein Roman, eine Geschichte fähig sein können: Mal berührend, mal ausgesprochen heiter, mal schmerzlich, mal tröstlich, zuweilen irritierend, oft nachdenklich stimmend, bitten sie Kopf und Herz um Einlass und nisten sich, wenn wir es zulassen, dort ein - manchmal für ein ganzes Leben.

Weil sich in den vergangenen neun Jahren mit wunderbarer Regelmäßigkeit Literaturfreundinnen und –freunde im Zeichen von „Korschenbroich liest“ zusammengefunden haben, ist der literarische Gesprächsfaden nie abgerissen, im Gegenteil! Aus der kleinen Gruppe der Besucherinnen und Besucher, die 2008 am ersten Veranstaltungsprogramm teilgenommen haben, ist inzwischen ein stattlicher Kreis geworden, der die Kunde unserer Veranstaltungen weit in die Region hineinträgt. Ihnen allen, unseren treuen Besucherinnen und Besuchern, gilt unser Dank: Nur weil es Sie gibt, gibt es uns, und das jetzt schon im zehnten Jahr!

Unser Dank gilt in gleicher Weise allen aktiv Beteiligten, die als Sponsor oder Fördermitglied, als Gastgeber oder Organisator alle Jahre wieder zum Gelingen des Festivals beitragen. Die „kurzen Wege“ und das außerordentlich wohltuende Miteinander aller Akteure sind die wichtigste Voraussetzung für den reibungslosen Ablauf des Programms und die besondere Atmosphäre der einzelnen Veranstaltungen.

Das Jubiläumsjahr steht im Zeichen von „Sternstunden“: Jede intensive Begegnung mit Literatur hat das Potential zu einer persönlichen „Sternstunde“. Viele solcher Sternstunden haben wir in den vergangenen „Korschenbroich liest“-Jahren erlebt. Und viele Gäste, die uns solche Sternstunden bereitet haben, werden in diesem Jahr wieder im Programm vertreten sein – mit neuen Büchern oder neuen Themen und in großer Vorfreude auf die Wiederbegegnung mit einem Publikum, das sie sehr schätzen gelernt haben.

In diesem Sinne freuen wir uns auf einen langen Sommer mit vielen literarischen „Sternstunden“ und wunderbaren Buch-Begegnungen, von denen jede eine „homöopathische Dosis Glück“ (Nina George) bereithält.

Korschenbroich, im Juni 2018

 

Dr. Rita Mielke